Tiefe Geothermie in Deutschland: Wärme sinnvoll – Strom realistisch?

1. Heizwerk – bewährt und sinnvoll

Ein geothermisches Heizwerk erzeugt ausschließlich Wärme. Heißes Tiefenwasser wird gefördert, über Wärmetauscher ins Fernwärmenetz eingespeist und wieder in die Tiefe zurückgeführt.

  • keine Stromproduktion
  • technisch vergleichsweise
  • einfach wirtschaftlich sinnvoll bei vorhandenen Wärmenetzen

In Deutschland ist dies die häufigste Form der Nutzung der tiefen Geothermie.

2. Heizkraftwerk – Strom als Nebenprodukt

Ein Heizkraftwerk (KWK-Anlage) erzeugt zunächst Strom – meist über ein ORC-Verfahren – und nutzt anschließend die verbleibende Wärme für Fernwärme.

Wichtig: Der Stromanteil ist häufig relativ gering. Wirtschaftlich trägt meist die Wärmenutzung das Projekt.

3. Reines Kraftwerk – der kritische Punkt

Ein reines geothermisches Kraftwerk produziert ausschließlich Strom.

Hier liegt das zentrale Problem:
Für eine wirtschaftliche Stromerzeugung ohne dauerhafte Subventionen sind in der Regel Temperaturen von mindestens 180–200 °C erforderlich.

Solche Temperaturen werden in Deutschland meist erst in sehr großen Tiefen erreicht – teilweise deutlich unter 5.000 Metern.

  • sehr hohe Bohrkosten
  • erhöhtes technisches Risiko
  • unsichere Wirtschaftlichkeit

Ist der deutsche Untergrund zu kalt?

Nach kritischer Betrachtung muss man sagen: Für eine breit wirtschaftliche Stromerzeugung ist der Untergrund in großen Teilen Deutschlands zu kalt.

Viele bekannte Reservoirs liefern Temperaturen zwischen 100 und 150 °C. Das ist gut geeignet für Fernwärme – aber für rentablen Strom ohne Förderung meist grenzwertig.

Im Vergleich dazu verfügen Länder wie Island oder Indonesien über vulkanische Bedingungen mit deutlich höheren Temperaturen in geringerer Tiefe.

Deutschland ist geologisch kein Vulkanland.

Der tatsächliche Stand in Deutschland

Ein geothermisches Heizwerk erzeugt ausschließlich Wärme. Heißes Tiefenwasser wird gefördert, über Wärmetauscher ins Fernwärmenetz eingespeist und wieder in die Tiefe zurückgeführt.

  • über 40 Anlagen erzeugen ausschließlich Wärme
  • rund 10–12 Anlagen erzeugen zusätzlich Strom (Heizkraftwerke)
  • nur sehr wenige Anlagen sind reine Stromkraftwerke

Die installierte elektrische Leistung liegt bei unter 50 MW – ein sehr kleiner Anteil am deutschen Strommix.

Wirtschaftlichkeit ohne Subventionen?

Ein geothermisches Heizwerk erzeugt ausschließlich Wärme. Heißes Tiefenwasser wird gefördert, über Wärmetauscher ins Fernwärmenetz eingespeist und wieder in die Tiefe zurückgeführt.

  • Würde sich ein geothermisches Stromkraftwerk in Deutschland ohne staatliche Förderung rechnen?

Bei Bohrkosten im zweistelligen Millionenbereich pro Standort, hohen Explorationsrisiken und vergleichsweise niedrigen Temperaturen ist das derzeit nur schwer darstellbar.

Wärmeprojekte hingegen können regional sinnvoll und wirtschaftlich sein – insbesondere bei bestehenden Fernwärmenetzen.

Fazit

Die tiefe Geothermie ist in Deutschland vor allem eine Wärmetechnologie.

Für die großflächige Stromerzeugung fehlen in weiten Teilen des Landes die notwendigen Temperaturen in wirtschaftlich erreichbarer Tiefe.

Eine realistische Energiepolitik sollte daher:

  • Geothermie dort einsetzen, wo sie stark ist (Wärme)
  • Strompotenziale nüchtern bewerten
  • Investitionsrisiken offen kommunizieren

Technischer Optimismus ersetzt keine Geologie.